Vegane Ernährung – was Du aus den Meinungen von 7 Fachgesellschaften lernen kannst

In Zeiten in denen JEDER Ernährungsempfehlungen ausspricht, suchen noch viel zu wenig Menschen auf der ganzen Welt Rat bei den jeweiligen Ernährungsgesellschaften. In Deutschland sollte, neben ausgebildeten Fachkräften, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erster Ansprechpartner rund um das Thema Ernährung sein. In diesem Post soll geklärt werden wie die DGE zur pflanzlichen Ernährung steht und wieso eine vegane Ernährung größtenteils weltweit empfohlen wird.Trotz der folgenden wissenschaftlichen Erkenntnissen kursieren immer noch viele Unwahrheiten und Mythen rund um die vegane bzw. überwiegend pflanzliche Ernährung.

Deutschland

Aber auch von offizieller Seite werden, deutlich begründeter, Zweifel an einer ausschließlich pflanzlichen Ernährung laut. So nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen kritischen und mehrere potenziell kritische Nährstoffe in einer veganen (rein pflanzlichen) Ernährung. Sie empfiehlt deshalb, gerade Risikogruppen keine vegane Ernährungsform. So heißt es wortwörtlich in der Zusammenfassung(1):

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Zusammenfassung aus dem DGE-Positionspapier zur veganen Ernährung

Schweiz und Österreich

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SEG) teilt diese Meinung, vor allem in Bezug auf die zu Letzt genannten Risikogruppen. In einer Pressemitteilung empfiehlt sie ebenfalls keine rein pflanzliche Ernährung für die Allgemeinbevölkerung.(3) Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖEG) hingegen verweist, neben der Stellungnahme der DGE, auch auf das Positionspapier der amerikanischen Academy of Nutrition and Dietetics (AND), welche eine gut geplante, vegane Ernährung als gesund und bedarfsgerecht einschätzt.(4, 5) Die ÖEG bleibt in der Betrachtung der rein pflanzlichen Ernährung neutral und benennt sowohl mögliche gesundheitliche Vor- als auch Nachteile.(6)

Portugal

Auch die Direção-Geral da Saúde (DGS), die portugiesische Ernährungsgesellschaft, veröffentlichte 2015 eine Stellungnahme, in der sie u. A. eine richtig geplante, vegane Ernährungsweise als gesund und in jeder Phase des Lebenszyklus bedarfsdeckend ansieht.(7)

Kanada

Die Kanadier, genauer gesagt die Dietitians of Canada (CD) betonen sogar explizit, dass eine vegane Ernährung den menschlichen Nährstoffbedarf in jeder Phase des Lebens inklusive der Schwangerschaft, Stillzeit und des Seniorenalters deckt.(8, 9)

Australien

Das National Health and Medical Research Council of Australia (NHMRC) sieht eine vegane Ernährung ebenfalls als gesund und Nährstoffbedarfsdeckend an, solange auch der Kalorienbedarf gedeckt und eine angemessene Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln über den Tag verteilt konsumiert wird.(10)

Großbritannien

Und auch Großbritannien bezog schon 2005 Position zu einer rein pflanzlichen Ernährung. Die British Nutrition Foundation (BNF) sieht eine gut geplante, ausgewogene vegane Ernährung als „ernährungsphysiologisch angemessen“ an und ergänzt, dass Studien gezeigt haben, dass das Wachstum und die Entwicklung von vegetarisch und veganen Kindern aus Großbritannien im Normalbereich lagen.(11)

Gesundheitliche Vorteile

Neben diesen Stellungsnahmen zur Bedarfsdeckung, erwähnen fünf von sechs Ernährungsgesellschaften zusätzlich mögliche gesundheitliche Vorteile einer pflanzlichen Ernährung in der Prävention und Therapie einiger Erkrankungen.So verweist die DGE in ihrem Positionspapier beispielsweise auf wissenschaftliche Untersuchungen und eigene Stellungnahmen die belegen, dass ballaststoffreiches Vollkorngetreide sowie Obst und Gemüse viele Krankheitsrisiken, wie beispielsweise für Adipositas, Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes Mellitus Typ-2, senken.(12, 13, 14)

Ebenso werden Studien zitiert, welche den Konsum von rotem Fleisch aber auch insgesamt Fleischerzeugnissen als risikoerhöhend für viele Krankheiten ansehen.(15, 16, 17) Die Ernährungsgesellschaft Amerikas sieht eine gut geplante vegane Ernährung ebenfalls mit gesundheitlichen Vorteilen in der Prävention und Therapie einiger Erkrankungen.(18) Auch die DGS (Portugal) verbindet die richtig geplante vegane Ernährung mit der effektiven Prävention und Therapie einiger chronischer Erkrankungen.(19)

Die Kanadier, genauer gesagt die DC wird sogar noch präziser. Sie erklärt, dass eine gesunde vegane Ernährung viele gesundheitliche Vorteile wie geringere Raten an Adipositas, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes Mellitus Typ-2 und an einigen Krebsarten bietet.(20) Und auch die Ernährungsgesellschaft Großbritanniens, die BNF, verweist auf wissenschaftliche Literatur, die bestätigt, dass Veganer im Schnitt einen geringeren BMI (21, 22), bessere Blutfettwerte(23, 24) und niedrigeren Blutdruck(25) aufweisen und so vor allem ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.(26)


Da die hier aufgeführten Zitate nur Ausschnitte der Stellungsnahmen der einzelnen Ernährungsgesellschaften sind, sollte auch hier an dieser Stelle an die Mündigkeit und Eigenständigkeit des interessierten Lesers appelliert werden. Wie Niko Rittenau in seinem Buch „Vegan-Klischee ade!“(27) mit leichtem österreichischem Slang schreibt, sollten diese deshalb in der „Gänze“ durchgelesen werden, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen.

Am Beispiel des DGE-Positionspapiers lassen sich solche Missverständnisse hervorragend aufzeigen. Liest man hier über die Zusammenfassung hinaus, so lässt sich klar erkennen, dass die Autoren grundsätzlich einen sehr guten zusammenfassenden Bericht über die Datenlage zur veganen Ernährung erstellt haben, welcher auch viele Vorteile einer pflanzlichen Ernährung beleuchtet. So kann laut der DGE angenommen werden, „dass eine pflanzenbetonte Ernährungsform (mit oder ohne einem geringen Fleischanteil) gegenüber der derzeitig in Deutschland üblichen Ernährung mit einer Risikosenkung für ernährungsmitbedingte Krankheiten verbunden ist.“(28) Sie schreiben weiterhin, dass jede Ernährungsweise, die die essenzielle Nährstoffe und Energie nicht bedarfsgerecht zuführt, ungünstig auf die Gesundheit wirken kann. Und sie erkennen auch prinzipiell an, dass eine vegane Ernährung bedarfsgerecht sein kann, wenn folgende Punkte eingehalten werden:

  • dauerhafte Einnahme eines Vitamin-B12-Präperats sowie die regelmäßige ärztliche Überprüfung der Versorgung mit B12
  • sehr gezielte Auswahl an nährstoffdichten und angereicherten Lebensmittel um die Versorgung mit den genannten kritischen Nährstoffen sicherzustellen
  • Beratung durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft“ (29, 30)

Eine Stichprobenbefragung des Bundesinstituts für Risikobewertung hat im April 2016 übrigens ergeben, dass dem Großteil der vegan lebenden Menschen die kritischen und potenziell kritischen Nährstoffe ihrer Ernährung bekannt sind und sie das davon ausgehende Risiko mit Nahrungsergänzungsmitteln minimieren.(31)

Wie kommen die unterschiedlichen Einschätzungen zustande?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist, im Gegensatz zu den anderen Ernährungsfachgesellschaften, deutlich vorsichtiger was Änderungen von Ernährungsempfehlungen angeht. Dies hat auch schon die Vergangenheit gezeigt.

Aber das Ganze ist nicht unbegründet. Da wäre zum Beispiel der Vergleich zu Amerika oder Kanada. In Amerika werden viele Nährstoffe verschiedenen Lebensmitteln einfach zugesetzt. Dazu darf man dann stehen wie man möchte, aber VeganerInnen in den USA können so viel eher Ihren Vitamin B12-Bedarf pro Tag decken, wenn schon Ihre Zerealien zusätzlich zu dem Pflanzendrink mit dem Vitamin angereichert sind.

Oder nehmen wir das Beispiel von kanadischen Linsen. Linsen in Kanada enthalten im Vergleich zu europäischen Linsen deutlich mehr Selen. Der Selenbedarf einer einzelnen Person könnte so durch eine einfache Linsenbolognese möglicherweise schon erreicht werden. Es gilt also die Empfehlungen der Fachgesellschaften zu hinterfragen und in Relation zu den jeweiligen Gegebenheiten in den Ländern zu setzen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die offiziellen Stimmen der Ernährungsgesellschaften im Kontext gesehen werden sollten und auch eher kritische Papiere wie beispielsweise jenes der DGE oder der schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), wie vielleicht fälschlich angenommen, keine klare Ablehnung einer ausschließlich pflanzlichen Ernährung darstellen.

Die führenden Ernährungsgesellschaften sind sich demnach nicht zu 100 % einig, was eine rein pflanzliche Ernährung angeht. Ein überwiegender Teil empfiehlt dennoch, aufgrund der vielen Vorteile, eine gut geplante, ausgewogene pflanzliche Ernährung, auch für die genannten Risikogruppen.

Und statt auf die kleinen Unterschiede der einzelnen Aussagen einzugehen, sollte sich lieber auf die Gemeinsamkeiten fokussiert werden, wie beispielweise, dass die hier aufgeführten Ernährungsgesellschaften alle eine gut geplante, ausgewogene und zumindest überwiegend pflanzliche Ernährung empfehlen. Sie betonen jedoch alle, dass diese, wie auch jede mischköstliche Ernährungsform, „gut geplant“ und „ausgewogen“ gestaltet werden muss.

Aber keine Sorge, Essen soll und wird, zumindest am Esstisch, keine Wissenschaft werden. Es gibt fünf Hauptlebensmittelgruppen, die täglich überwiegend Bestandteil des eigenen Speiseplans sein sollten, da mit diesen eine Deckung der meisten kritischen und ohnehin unkritischen Nährstoffe federleicht möglich ist. Zu diesen zählen Hülsenfrüchte, Nüsse & Samen, Vollkorngetreide sowie Obst und Gemüse.(32, 33, 34)

Werden diese Tag für Tag erfolgreich in den eigenen Speiseplan inkludiert und zusätzlich gezielt mit Algen, angereicherten Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln kombiniert, so steht einer optimalen Versorgung, sowohl in einer mischköstlichen als auch während einer rein pflanzlichen Ernährung nichts mehr im Wege.(35)


Literaturverzeichnis

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