3 Gründe warum eine pflanzliche Ernährung gesund für uns und den Planeten ist

Es ist 5 vor 12! In den Industrieländern werden wir immer dicker, chronische Erkrankungen nehmen zu und im Rest der Welt hungern die Menschen. Der Klimawandel sitzt uns im Nacken und in der Politik scheint sich nur langsam etwas zu tun. Es ist an der Zeit selbst Hand anzulegen. Bis 2050 soll die Erde schätzungsweise 10 Mrd. Menschen ernähren – mit unseren aktuellen Ernährungsgewohnheiten schaffen wir das als Gesellschaft nicht. Eine pflanzliche Ernährung scheint da die Lösung für viele dieser Probleme zu sein. (1)

In diesem Artikel beleuchten wir deshalb 3 Gründe warum eine pflanzliche Ernährung gesund für uns und den Planeten ist.

Immer mehr Menschen leben vegan oder zumindest überwiegend pflanzlich. ProVeg Deutschland geht von schätzungsweise 8 Millionen Vegetariern und 1,3 Millionen Veganern in Deutschland aus.(2) Diese verzichten entweder auf jegliche tierische Produkte oder schränken die Zufuhr dieser stark ein.(3)

Pflanzliche Ernährung senkt das Risiko für Krankheiten

Zugegeben, als Wissenschaftler müssen wir diese Überschrift direkt im ersten Satz relativieren. Es geht hier nur um ausgewählte Krankheiten und oftmals sind die Ergebnisse der im Folgenden vorgestellten Studien nur Tendenzen, da die Daten entweder schon ziemlich alt sind oder (gerade in Bezug auf vegane Ernährung) die Teilnehmerzahl in den Untersuchungen sehr überschaubar war. Oftmals wird auch der allgemein gesündere Lebensstil von Menschen, die sich ausschließlich oder überwiegend pflanzlich ernähren, als Grund für positive Health-Outcomes hervorgehoben. Dennoch lässt sich als Forschungsstand im Jahr 2020 festhalten:

Die Zusammensetzung der Ernährung, insbesondere die Relation von tierischen zu pflanzlichen Lebensmitteln, bestimmen neben dem Verarbeitungsgrad nach bisherigen Erkenntnissen das Risiko für ernährungs(mit)bedingte Erkrankungen.(4) Dies bestätigt sich beispielsweise durch epidemiologische Studien, welche zeigen, dass eine hohe Zufuhr von rotem Fleisch und insbesondere von Fleischerzeugnissen das Risiko für viele Krankheiten, wie bestimmte Krebsarten, erhöht.(5) (6) (7)

pflanzliche Ernährung und Krebs
Bild von PDPics auf Pixabay

Gleichzeitig wirken hohe Anteile an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Gemüse und Obst in Bezug auf viele Krankheitsrisiken (z. B. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes mellitus Typ 2) risikosenkend.(8) (9) Gerade im Hinblick auf die oben genannten Lebensmittel haben vegetarische Kostformen häufig eine günstigere Zusammensetzung als die übliche westliche Mischkost.(4)

Eine Metaanalyse von mehreren Beobachtungsstudien bestätigte darüber hinaus, dass Personen, die sich vegetarisch ernährten, ein geringeres Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Herzkrankheiten und Krebs hatten.(10) In Bezug auf eine rein vegane Ernährung sind die Ergebnisse ähnlich.

Die größten Studien, welche die rein pflanzliche Ernährung mit einbeziehen, sind die EPIC-Oxford Study und die Adventist Health Study 2 mit zusammen 6700 Veganer*innen.(11) (12) (13) Es wurde sowohl die Häufigkeit chronischer Erkrankungen als auch die Sterblichkeitsrate untersucht und bewertet.

Um nur einige Ergebnisse dieser Untersuchungen zu nennen, hier ein paar Beispiele:

  • Für Diabetes mellitus Typ 2 liegt die Prävalenz (Häufigkeit der Erkrankung zu einem best. Zeitpunkt in einer Bevölkerungsgruppe) bei einer veganen Ernährung mit 2,9 % am niedrigsten.(14)
  • Bei den über 11.000 Teilnehmer*innen der EPIC OXFORD STUDY wiesen ebenfalls Veganer*innen die niedrigsten Hypertonieraten (Raten für Bluthochdruck) auf. Diese Daten waren sogar Alters- und BMI-bereinigt, da mit steigendem Alter und erhöhtem BMI (Body-Mass-Index) das Risiko für Bluthochdruck unabhängig von der Ernährungsweise tendenziell ansteigt.(11)
  • In der Oxford Vegetarian Study lag die durchschnittliche Konzentration des Gesamtcholesterins von Vegetariern mit 166 mg/dl, 36 mg/dl unter der von Omnivoren (Mischköstler*innen). Die Unterschiede entfielen fast vollständig auf die LDL-Fraktion.(15) Ein erhöhter LDL-(“schlechter”-) Cholesterinspiegel, aber auch ein zu hoher Spiegel an Gesamtcholesterin, ist ein großer Risikofaktor für Arteriosklerose.(3)

Es zeigt sich also, dass eine überwiegend pflanzliche Ernährungsweise im Schnitt mit einer geringeren Mortalität (Sterblichkeitsrate) und einer geringeren Rate an chronischen Erkrankungen einhergeht. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine ausgewogene und gut geplante pflanzliche Kost handelt und kritische Nährstoffe beachtet werden.

Leseempfehlung: Vegane Ernährung – Welche Richtlinien gibt es 2020 für eine ausgewogene, pflanzliche Ernährung?

Pflanzliche Ernährung ist effizient und ökologisch

Bei der Betrachtung pflanzlicher Ernährung und ihrer Chancen, fällt noch ein weiterer, sehr wichtiger Punkt auf – Nachhaltigkeit. Gerade im Hinblick auf die wachsende Bevölkerung und den Klimawandel werden dringend ökologische Lösungsansätze benötigt, die von jeder Person im Alltag durchführbar sind. Und da kommt eine überwiegend, im Idealfall ausschließlich, pflanzliche Kost ins Spiel.

Bild von Bela Geletneky auf Pixabay

Rund um die Produktion tierischer Produkte werden ökologisch abträgliche Prozesse in Kauf genommen. Sei es die Herstellung von immensen Mengen an Futtermitteln, welche meistens aus intensiv bewirtschafteten Monokulturen stammen(16) (17) oder auch gasförmigen Emissionen aus dem Stoffwechsel der Tiere, welche das Klima schädigen.(3)
Neben diesen Aspekten kristallisiert sich jedoch ein für jeden gesunden Menschenverstand ersichtlicher Fakt heraus – die Effizienz. Seit tausenden von Jahren versuchen die Menschen immer effizienter zu werden.

In unserer heutigen Zeit wollen wir mit immer kleineren Motoren/Batterien immer weiter kommen oder mit immer weniger Platz immer mehr Fleisch und tierische Produkte, aber auch pflanzliche Erzeugnisse herstellen. Irgendwann ist, gerade bei tierischen Produkten, jedoch die Grenze erreicht. Tierische Lebensmittel werden nie so effizient sein wie ihre pflanzliche Konkurrenz, da sie einen wesentlichen höheren Primärenergieaufwand haben.

Um dies zu verdeutlichen wird sich das Verhältnis von Energieaufwand zu Energieertrag angeschaut. Während Kartoffeln ein Verhältnis von 1:2 aufweisen, können Rindfleisch oder Fische nur ein Verhältnis zwischen 10-35:1 und 10-250:1 bieten.(18) Übersetzt bedeutet das, dass für die Produktion von Rindfleisch die bis zu 35-fache Menge an Primärenergie verbraucht wird, als Nahrungsenergie im verzehrstauglichen Produkt enthalten ist. Bei der Herstellung pflanzlicher Lebensmittel ist der erzeugte Nahrungsenergiegehalt dagegen meist deutlich höher als die eingesetzte Primärenergie.(19)

Hinzu kommt ein erheblich höherer Wasserverbrauch und größerer Veredelungsverluste (Lebensmittelabfall, ‑verschwendung oder Tierfutter) bei der Herstellung tierischer Lebensmittel.(20) (21) Auch der Landverbrauch ist im Vergleich bei der Produktion tierischer Nahrungsmittel mit dem 5-10-fachen so viel höher, dass schon von Ressourcenverschwendung gesprochen werden kann.(20)

Um bis 2050 möglicherweise 10 Mrd. Menschen zu ernähren (1), ist ein Umdenken dringend notwendig. Die Weltressourcen reichen dafür aus, solange diese effizient und nicht verschwenderisch genutzt werden. Das eine überwiegend pflanzliche Ernährung dahingehend den größtmöglichen Erfolg bietet, unterstreicht die Untersuchung unserer Universität in Gießen. In dieser Arbeit wurden verschiedene Ernährungsstile auf ihre Klimawirkung untersucht.

Eine durchschnittliche Mischkost mit viel Fleisch schnitt dabei erwartungsgemäß am schlechtesten ab, während eine ökologische, vollwertige Ernährung ohne Fleisch die Treibhausgasemissionen im Vergleich um 61 % reduzieren konnte. (22)

pflanzliche Ernährung - Umweltauswirkung verschiedener Ernährungsstile
© UTB Verlag. Umweltauswirkungen verschiedener Ernährungsstile

Ein abschließender Vergleich bringt es letztendlich auf den Punkt. Die landwirtschaftliche Tierhaltung zählt zu den weltweit größten Verursachern des Klimawandels. Mit einem Anteil von 14,5 % der vom Menschen verursachten Treibhausgase trägt sie mehr zum Klimawandel bei als der gesamte Transportsektor, also Autos, Flugzeuge, Züge und Schiffe zusammengenommen.(23)

Vegetarische Ernährungsformen leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur Schonung der Umwelt und zum Schutz des Klimas. Hinzu kommt, dass im Ernährungsbereich persönliche Entscheidungen für ein umweltverträglicheres Verhalten leichter in die Tat umgesetzt werden können als in anderen Bereichen. (24)

Mehr zum Thema "Nachhaltig leben" und wo wir uns informieren, findet Ihr hier. 

Pflanzliche Ernährung ist ethisch vertretbar

Als Hauptgrund für die Wahl einer vegetarischen Ernährungsweise werden neben schon besprochenen gesundheitlichen und ökologischen Vorteilen auch hauptsächlich ethische Aspekte genannt.(3)

Ethik ist ein schwieriges Feld, zumindest für uns als Ernährungswissenschaftler. Hier sind wir nicht die Fachpersonen, die es gilt anzusprechen. Aber dennoch: es scheint – zumindest für die meisten – außer Frage zu stehen, dass wir Tiere für unseren Konsum ausbeuten und dies in der Art und Weise ethisch unvertretbar ist. Eine pflanzliche Ernährung schafft auch hier Abhilfe.

Kühe werden künstlich befruchtet, ihnen werden die Kälber unmittelbar nach Geburt entrissen um diese kurz aufzuziehen und weiter zu Kalbsschnitzel zu verarbeiten während die Muttermilch, die eigentlich für das Kälbchen bestimmt wäre, von uns Menschen zum Frühstück mit Cerealien verzehrt wird.

Fetales Kälberserum wird für die Zellkulturfoschung (ja auch momentan noch für die vermeintlich Lösung all unserer Probleme – Cultured Meat) in rauen Mengen verwendet. Das Serum, und deshalb ist es auch so umstritten, wird nach der Schlachtung einer tragenden Kuh direkt aus dem Herzen des ungeborenen Kälberfetus entnommen. Die Mutter und das Kalb sterben dabei logischerweise.

Schweine werden immer noch betäubungslos kastriert, ihnen werden die Schwänze abgekappt und all das nur damit das perfide System der Massentierhaltung noch mehr Tiere auf noch weniger Raum halten kann.

pflanzliche Ernährung - kein Kükenschreddern mehr
© imago stock&people – Kükenschreddern?

Aber auch abseits der Fleischindustrie finden sich zahllose Beispiele, wie unwürdig mit den Lebewesen umgegangen wird. Bei der Massentierhaltung in der Eiererzeugung z. B. werden männliche Küken aussortiert und geschreddert oder vergaßt. Die Aufzucht dieser Tiere würde in keinem finanziellen Verhältnis zum Ertrag stehen. Was wirklich effizient wäre, haben wir Euch oben schon aufgezeigt.

Aber nicht nur die Tiere leiden, auch die Menschen. Wer möchte schon einer Arbeit nachgehen, bei der die einzige Aufgabe darin besteht von Schichtbeginn bis Schichtende Tieren den „Gnadenschuss“ zu verpassen, ihnen die Kehle durchzuschneiden oder Eingeweide zu entnehmen – und das im Akkord?

Die meisten dieser Arbeiten werden deshalb von billigen Arbeitskräften aus dem Ausland absolviert, die für ihre Familien im Heimatland auf die Bezahlung angewiesen sind und für die die Bezahlung im Verhältnis noch an Wert besitzt. Der Veggie-World-Podcast hat in einer tollen Folge über die schlimmen Arbeitsbedingungen in Schlachthäusern gesprochen.

Wir für unsere Begriffe haben deshalb mittlerweile aus rein ethischer, aber auch aus ökologischer Sicht (Erinnerung: es ist 5 vor 12!) die Entscheidung getroffen, eine überwiegend bis ausschließlich pflanzliche Ernährung auch trotz des Wissens zu praktizieren, dass die gesundheitlichen Vorteile wohl auch durch eine Ernährung mit einem geringen Anteil tierischer Produkte erreicht werden können.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass alle Verbraucher dazu angehalten sind, nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus gesundheitlichen Aspekten, eine zumindest überwiegend pflanzliche Ernährung zu praktizieren um die Umwelt sowie sich selbst nicht weiter zu überlasten.

“Die ethischste Ernährungsweise ist zufällig die ökologischste und ganz zufällig auch die gesündeste.”

Dr. Michael Greger, Autor von How Not To Die und Gründer von nutritionfacts.org

Literaturverzeichnis

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pflanzliche Ernährung

Das Buch Vegetarische und vegane Ernährung von Prof. Dr. Claus Leitzmann und Prof. Dr. Markus Keller* ist das ernährungswissenschaftliche Standardwerk, welches in Bezug auf eine pflanzenbasierte Kost die notwendigen Hintergründe und Antworten liefert. Es diente diesem Artikel als erste Anlaufstelle der Literaturrecherche und ist wärmstens Wissenschaftlern der jeweiligen Fachgebiete, aber auch Laien, zu empfehlen.


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